24.03.2013  23:22  Alter: 3 yrs
Von: Axel Dangerfreak

"Mülleimer, Dreckeimer, Mannheimer!"

Emotion pur im Viertelfinale um den Badischen Fußballpokal! Der KSC zu Gast beim SV Waldhof.

Der SV Waldhof gegen den KSC. Mannheim gegen Karlsruhe. Die Fabrik gegen die Residenz. Zu alten  Kindheitstagen spielte man noch in der Ersten Bundesliga gegeneinander, später immerhin noch in der Zweiten. Im März 2013 ist es gerade mal noch das Viertelfinale im Badischen Fußballpokal. In Fußballdeutschland gibt es wohl nur wenig andere Vereine, die in den letzten Jahrzehnten mehr Negativschlagzeilen geschrieben haben. In sportlicher wie wirtschaftlicher Hinsicht. Und auch was Krawall und Remmidemmi angeht, stand man sich von Seiten der Anhänger in nichts nach.

So ist es wenig erstaunlich, dass dieses Spiel - sportlich betrachtet völlig wertlos - von uns allen so sehnsüchtig erwartet wurde. Verwundern kann es da viel mehr, dass der Termin für das Risikospiel, wie es von Seiten der Presse und Polizei zurecht tituliert wurde, auf einen fußballfreien Samstagnachmittag gelegt wurde. Waren Negativschlagzeilen vielleicht sogar von den Verbänden gewollt? Immerhin ruft ja jede weitere Randale nach noch härteren Strafen. In diesem Falle lockte der Kick zwar in der Tat Hunderte von Krawalltouristen an, auf der anderen Seite waren so natürlich unzählig mehr Einsatzkräfte verfügbar. Aufrüstung wie zu Zeiten des Kalten Krieges, wie in den Siebzigern und Achtzigern. Da passte es ja ganz gut, dass beide Vereine ihre größten Duelle in ebendieser Zeit ausfechteten. Ich weiß noch zu gut wie ich beim jährlichen Besuch evangelischer und katholischer Gemeindefeste am Schießstand  gleich nach dem KSC-Fähnchen immer das vom Waldhof schoss. Bis heute habe ich den Mannheimer Arbeiterclub nie aus dem Blick gelassen. Wenngleich oft auch eine Prise Schadenfreude mit dabei war oder auch nur die Gewissheit, dass Fans andere Vereine noch mehr mitmachen mussten als man selbst: Es ist schon aller Ehren wert, wie die Fans in Mannheim dem Verein treu geblieben sind, der Waldhof heute immerhin wieder leise an die Dritte Liga anklopft.

Früher spielten da Leute wie Fritz Walter (der Dumme, nicht der Alte), der Dickgießer Roland und natürlich der Schlindwein Dieter. Heute kennt man dort keine Sau mehr. Das ist bei uns Gott sei Dank schon etwas anders. Nach dem unerwarteten wie völlig unnötigen Abstieg im Mai 2012 läuft beim KSC ja momentan alles verdammt rund. Nach anfänglichen Anpassungsproblemen blieben die Verantwortlichen Herren Präsident und Sportdirektor ausnahmsweise ruhig und schenkten Trainer und Mannschaft die nötige Zeit der Akklimatisierung. Da waren echt harte Spiele dabei (Heimspiel gegen Erfurt, siehe Bericht) aber Chapeau, dass alles so ruhig blieb, gerade auch was die Fans angeht. Top Unterstützung selbst in Babelsberg oder Burghausen. So angefeuert fanden dann auch die Jungs auf dem Platz in die Erfolgspur zurück. 19 Spiele ohne Niederlage, Platz 1 in der
Liga, eine echte Mannschaft mit echten Typen. Was sollte da also gegen Mannheim schief gehen?

Während das Sportliche also ziemlich schnell erzählt wäre (lockeres 2:0, Tore durch Kempe und Van der Biezen), so kann man über das ganze Drumherum schon ein paar Worte mehr verlieren.

Schon seit Wochen wurde auf beiden Seiten mobil gemacht. "Scheiß Waldhof Mannheim!", "Karlsruh', Karlsruh', wir scheißen euch zu!" Das übliche Aufeinandereinschießen der Fanlager. Am Spielsamstag dann auch real, kurz hinter Schwetzingen genauer gesagt. Mannheimer und Frankfurter Hooligans hatten den Karlsruher Sonderzug angegriffen, was sich unsere Jungs nicht haben bieten lassen wollen. Genaueres gibt es an dieser Stelle nicht zu erfahren. Ganz einfach weil wir nicht mit dabei waren. Da wir auf genau so etwas keinen Bock hatten, zogen wir die Anfahrt über Heidelberg vor. Inclusive Freiheit in Mannheim. Während knapp 2.000 Karlsruher also von Hunderten Stormtroopers zum Stadion geleitet wurden, zogen wir sieben also einmal quer durch diese nicht wirklich schöne Stadt. Nicht schön aber echt und ehrlich. Tolle Eckkneipen und Trinkhallen gibt es da, da haben die Ultras wirklich was verpasst. Aber die waren ja auch nicht zum Spaß da! Immerhin galt es zu zeigen wer hier die Nummer 1 in der Region ist. Wenn schon nicht in Halbzeit drei so dann doch und zumindest in Sachen Support und Anfeuerung! Was ja auch die eigentliche und reinste Form des Fanseins darstellt.

Wir hatten uns Plätze auf der Gegentribüne gesichert und konnten von dort aus ziemlich genau feststellen welche Mannschaft von den Rängen lautstärker unterstützt wurde und das waren ganz klar wir. Okay, ein Punkt auch an Mannheim. Ihre Rauchbombe war dann doch etwas gewaltiger. Die Pyrotechnikshows der beiden Fanlager war im Grunde dennoch ziemlich unspektakulär. Was die Pressevertreter dennoch in ihren Berichten zum Spiel nicht unerwähnt lassen mussten. Warum eigentlich?

Aufregung nochmal kurz nach dem Halbzeitpfiff, als Frankfurter uns unverständlich klar machten, dass Provokationen jeglicher Art, in diesem Falle "Tanzen für Karlsruhe", hier etwas fehl am Platze sei. "Wenn du noch einmal auf den Zaun gehst, dann fällst du!" Ich dankte den Adlern für Ihre klaren Worte und verzog mich mit Martín für die zweite Halbzeit auf die Haupttribüne. Auf unseren alten Plätzen hatten sich nun mehr und mehr Frankfurter zusammengerottet. Hier blieb alles aber noch friedlich. Welch Unterschied zu dem was dann draußen vorm Stadion abgehen sollte. Hundertschaften richtig böser Hools, die nur darauf aus waren den Polizeiriegel zu durchbrechen. "HOP, ALLE REIN!" Knüppeleinsätze plus Pfefferspray sorgten dafür, dass den vielen Karlsruhern nichts passieren sollte. Womit sich der große und bestimmt unglaublich teure Polizeieinsatz dann am Ende doch lohnen sollte. Das wäre nämlich sehr schlimm ausgegangen. Selten zuvor haben wir so viel Aggressivität und Hass gesehen. Von so vielen Leuten. Und das in einem Viertelfinale des Badischen Fußballpokals!

Wir zogen dann auch Richtung Bahnhof, da wir ja unbedingt in einem ruhigen Zug die Rückfahrt verbringen wollten. Ein kurzes Nickerchen später waren wir auch wieder Zuhause. Gesund und unversehrt. Aber auch müde. Das Derby hatte alles gehalten, was vorher versprochen wurde. Es ist halt doch was anderes als gegen Dortmund II oder Wehen-Wiesbaden zu spielen. Für einen Tag hatte uns der große Fußball wieder. Denn es kann sagen wer will: Von solchen Fußballfesten träumen wir doch alle. Emotionen und Rivalität. In diesem Fall in vielerlei Hinsicht bestimmt auch zu viel des guten. Doch alles ging gut - auch, und das muss an dieser Stelle auch einmal gesorgt werden, dank der Staatsmacht und weitgehend besonnenen Karlsruher Fußballfans.


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Kommentare

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Chris aus Knielingen

Mittwoch, 27-03-13 22:31

"...es ist halt doch was anderes als gegen Dortmund II zu spielen"
Ich gib Dir beim nächsten mal nen Tritt, Du Affe! Emoticon

 

KleinerGrimm

Dienstag, 26-03-13 18:01

subba Bericht.
Lediglich die Sache mit "...hinter Schwetzingen..." stimmt so nicht.

"Wir sind das Highlight eurer Saison!"
...leider geil und leider wahr!!!

Blau-schwarze Grüße

 
   
 

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