Von: Axel Dangerfreak
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Piraten entern Berlin!
Ritter Butzke und die Politik. Dangerfreak.info war dabei.
Sonntagabend, Berlin Kreuzberg. Ich bin gerade von einer Fortbildung "heimgekommen" in Juri's Wohnung. 17.57 Uhr. Es bleibt keine Zeit, ich muss weiter. Berlin hat gewählt. Zeit für die Prognose, also Rucksack ins Eck und auf in die nächste Bar. In diesem Falle das Café Roxy, U-Bahnhof Südstern. Plastikpalmen und Neonlicht, Berliner Pilsener frisch gezapft. Als politisch interessierter Mensch will ich live dabei sein wenn Berlin politisch Geschichte(n) schreibt. Plötzlich erklingt ein Gong und der gute alte Deppendorff verkündet Punkt 18 Uhr die Prognose der Berlin-Wahl. Ein Raunen geht durchs Roxy als das Ergebnis der FDP verkündet wird: Fette drei Prozent! Später wird das ganze sogar noch auf 1,8 % runtergekürzt. in Kreuzberg-Friedrichshain sind es gar nur 0,8%! Man muss sich das mal vorstellen... Selbst die Tierschutzpartei hat da mehr!
Die zweite große Sensation dieses Berliner Wahlabends kommt dagegen sehr sympathisch rüber: Die Partei der Piraten entert das erste deutsche Landesparlament. Sage und schreibe 9% erhielten die Netzpolitiker, die ganz ehrlich von sich behaupten, dass sie (noch) keine Ahnung wohl aber jede Menge Fragen haben. Ehrlichkeit und Einfallsreichtum gepaart mit locker-flockigen Auftritten: Berlin ist genau das richtige Pflaster für die Piraten. Eine Stadt, die stolz auf ihren Ruf ist. Arm aber sexy!
Zumindest sexy dann auch die Wahlparty der Piraten, standesgemäß im hippen Kreuzberger Club Ritter Butzke, einem Traum von Location, unweit des Moritzplates, direkt auf dem Kiez! Als ich dort auftauche, muss ich feststellen, dass ich nicht der einzige bin, der da hin will. Über 200 Leute stehen schon in der Schlange. Da es auch noch regnet, ziehe ich meinen Presseausweis und komme so nicht nur schnell rein, sondern bekomme auch noch ein grünes Bändchen, mit dem ich Zugang zum Internationalen Presseclub erhalte. Der Abend fängt ja schon mal gut an, denke ich und treffe auf dem Hof die erste Piraten. Durchweg nette, coole Leute, alles schön anzuschauen. Im Club selbst muss ich mich dann durch die Massen kämpfen. Da ist gut was los. Als die nächste Hochrechnung erscheint, brandet auf der Tanzfläche lautstarker Jubel auf! Es riecht nach Gras. Leberwurstbrote werden gereicht. Der DJ spielt "Pure Vernunft darf niemals siegen". Die Piraten sind mir wirklich sympathisch. Absolut. Wählen würde ich sie trotzdem nicht. Die Jungs und Herren Neu-Abgeordnete, die ich hinten im Presseclub kennenlerne, sind zwar alle sehr freundlich - viel Ahnung scheinen sie mir jedenfalls (noch) nicht zu haben. Aber das kann ja noch werden. "Scheitern ist aber natürlich auch eine Option", so ein Pirat am Rande der Veranstaltung.
Inzwischen ist mein alter Spezi Jörg erschienen und wir wechseln für den Moment den Ort. Raus aus dem Ritter Butzke, rein in den Trafo Club, wo an diesem Abend eine Heavy Metal-Show fürs ZDF produziert werden soll. Berlin Live: Drei Bands, drei Bühnen. Es stimmt einfach alles. Bis auf die Musik vielleicht, aber man will ja nicht meckern. Auch dabei: Eine schwedische Mädchenband! Wow! Wir sind in etwa so sprachlos wie Guido Westerwelle bei der Nachricht des Berliner Walergebnisses und vergessen fürs Kurze den letzten Donnerhall der FDP. Dann spielen Gamma Ray. Die sollen super sein, wir sind jedoch anderer Meinung. Wir kommen uns vor wie in den Achtzigern. Aber Motley Croe haben uns damals schon nicht gefallen. Dann lieber zurück zu Punkrock und Elektro, also zum Ritter Butzke und den Piraten. Dort ist die Stimmung die ganze Nacht noch bestens. Ein Highlight: Spitzenkandidat Andreas Baum und der Schnösel von Phoenix. Was da für Welten aufeinanderprallen. Herrlich. Sogar der Regen hat draußen inzwischen aufgehört. Die Stadt darf sich heute zufrieden aufs Ohr legen.
Am nächsten Morgen scheint die Sonne über Berlin.
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