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DAS GROSSE KSC-VALENCIA-SPECIAL

 

Der zweite November neunzehnhundertdreiundneunzig!

Vierzehn lange Jahre ist es her, zweimal sieben, als unser aller Lieblingsclub, der KSC, zum Europokalrückspiel der zweiten Runde gegen den FC Valencia angetreten ist. Ein naßkalter Novemberabend, das Spiel der Spiele, gefolgt von einer blau-weißen Partynacht, die jeder, der dabei gewesen ist, nie in seinem Leben vergessen wird. KSC-Valencia! 7:0! Euro-Eddy! Der pure Wahnsinn!

Viele, viel zu viele lange Jahre hielt uns KSC-Fans dieses Spiel bei Laune, ließ es uns gleichzeitig aber auch wehmütig zurückblicken. Nun ist der KSC wieder da wo er hingehört. Noch nicht in Europa aber doch immerhin wieder zurück in Liga Eins. Da wo wir hingehören!

Dangerfreak.info hat Stimmen eingefangen, Anekdoten der ganz besonderen Art. Karlsruhe erlebte sein größtes Fest, es wurde durch die russische Nacht getanzt und hinter schwedischen Gardinen gefeiert - und in Thailand noch Tage später freudetrunkene KSC-Fans entlassen.

KSC-Held Michael Wittwer erinnert sich mit großen Freuden an das Spiel zurück und auch in Valencia, wo wir zu Recherchezwecke gewesen sind, hat man das Spiel nicht vergessen... siehe auch Eviva Valencia www.dangerfreak.info/index.php

Auch kritische Stimmen zum Hype ums 7:0 werden laut. Aber lest selbst....

Viel Spaß beim großen KSC-VALENCIA-DANGERFREAK-SPECIAL!

 

Michael Wittwer stand nicht nur damals gegen Valencia auf dem Wildparkrasen, er bestritt auch 145 Bundesligaspiele für den KSC. Sein einziger Bundesligatreffer gelang ihm in Rostock - wer erinnert sich nicht daran - und wurde gar Tor des Monats. Nach zwölf kampffreudigen Jahren beim KSC (ohne eine gelb-rote bzw. rote Karte) ließ er seine Karriere beim FC Nöttingen in der Ober- und Regionalliga ausklingen. Heute assistiert Micha seinen alten Freund Rainer Krieg als Trainer der KSC Amateure.

Das Interview, das wir in Micha's Stammkneipe, dem Stövchen, führten, war eine sehr spaßige Sache. Das eine oder andere Weizen wurde geschlürft und in schönsten Erinnerungen geschwelgt. Einaml mussten wir dann sogar unser Gespräch kurz unterbrechen, weil ein alter KSC-Fan ein Autogramm haben wollte...

 

Dangerfreak.info: "Micha, welche drei Worte verbindest du mit dem Valencia-Spiel?"

Michael Wittwer: "Das Wunder vom Wildpark, vier Wörter!"

DFinfo: "Im Hinspiel seid ihr noch vorgeführt worden, welche Erinnerungen hast du noch daran?"

MW: "Ein tolles Stadion mit ganz großartiger Stimmung, ausverkauft. Wir sahen uns einer übermachtigen Mannschaft gegenüber, wurden vorgeführt und waren bis zu Eddy's Anschlusstreffer so was von chancenlos. Als Spieler haben wir das 1:3 gar nicht so wahr genommen - keinen hat es interessiert ob das Spiel 0:3 oder 1:3 ausging. Von uns hat damals niemand mehr mit einem Weiterkommen gerechnet."

DFinfo: "Es sollte ja anders kommen..."

MW: "Am Samstag zuvor hatten wir noch 0:1 in Leipzig verloren (einer von zwei Leipziger Bundesligasiegen, A.d.R.), doch dann am Dienstagabend, als wir mit dem Bus zum Stadion fuhren, machte sich eine ganz einzigartige Stimmung rund um den Wildpark breit. Uns war es völlig egal wer uns gegenüber stand, wir haben uns keine Gedanken gemacht, wir wollten nur noch raus und auf den Rasen."

DFinfo: "Winnie Schäfer durfte ja vor dem Spiel nicht zu Euch in die Kabine - trotzdem ward ihr so verdammt heiß! Wie seid ihr auf das Spiel eingestellt worden?"

MW: "Wer sagt denn, dass der Winnie nicht in der Kabine war? Er war zwar auf die Tribüne verbannt und durfte nicht in die Kabine aber das war doch dem Winnie egal! Ein Masseur stand vor der Kabine Schmiere und als der Schiri kam, klopfte er kurz Alarm, Winnie stülpte sich einen Teppich über und wurde nie gesehen. Er hat uns in der Tat sensationell auf das Spiel vorbereitet. Alleine schon das Anspiel! Wolfgang Rolff stürmte wie verrückt auf den Spanier los, das Anspiel musste wiederholt werden. Wir hatten das vorher so abgesprochen um Valencia gleich klar zu machen, dass es hier heute wild werden würde! Und die waren sich ja so was von sicher, wir wollten was reißen!"

DFinfo: "Was euch ja eindrucksvoll gelungen ist! Doch ab wann hast du selbst an das Unmögliche geglaubt?"

MW: "Als Valerji direkt nach der Halbzeit das 4:0 machte! Kurz danach klang dann auch das "Eviva Espana" durch den Wildpark, wir wussten es : Das ist unser Spiel und keiner wird es uns mehr nehmen!"

DFinfo: "Die Stimmung war ja wirklich wahnsinnig!"

MW: "Nicht nur im Stadion! Ganz Karlsruhe war in dieser Nacht blau-weiß! Den Leuten war's egal ob sie am nächsten Tag zur Arbeit mussten..."

DFinfo: "Vier Tage später wurde dann auch noch Duisburg mit 5:0 aus dem Wildpark geschossen!"

MW: "Ja, daran kann ich mich auch noch nur zu genau erinnern. Michael Tarnat, der später für uns spielen sollte, erzählte uns, dass der Ewald Lienen die Devise ausgab "Rennen reicht, die sind eh noch alle voll vom Dienstag!" Dabei hatte er gar nicht mal so Unrecht aber wir waren noch so euphorisiert: Die haben wir richtig volley genommen!"

DFinfo: "Welche Erinnerungen hast du noch an die glorreichen Europokalzeiten?"

MW: "Wir hatten extremes Losglück, spielten gegen unglaublich namhafte Mannschaften. Gerade für solche Landeier wie den Ebse, der aus Pforzheim kam, mich oder den Gunter Metz war diese große Fußballwelt schon was besonderes! Wenngleich zu sagen ist, dass es für die Fans wohl noch schöner gewesen sein muss. Die haben wenigstens was von den Städten gesehen. Am Besten war's aber für die Spielerfrauen! Die konnten den ganzen Tag lang Shoppen gehen und abend am Bankett waren sie dann auch wieder mit dabei. Da gab es ja alles: Austern, Schampus, herrlich. Die Frauen vertragen ja nicht so viel wie wir. Dann waren sie voll und haben das Taxi vollgekotzt!"

DFinfo: "Du hast die großen Fußballclubs erwähnt, gegen die Ihr gespielt habt."

MW: "Wir spielten gegen Zidane und Lizarazu, Totti war mein Gegenspieler in Rom, dann auch noch Aldair, Van Breuckelen, Wim Kieft, Penew, damals vielleicht bester Stürmer der Welt. Mann, war das eine geile Zeit!"

DFinfo. "Heute trainierst du die KSC Amas. Was ist heute anders als früher?"

MW: "Nun, der KSC ist ja wieder richtig erfolgreich, der Ede macht gute Arbeit. Negativ fällt der ganze Schönheitswahn bei jungen Spielern auf. Da spielt der Tewelde bei wirklich nicht winterlichen Temperaturen schon langärmelig, geht ein Buck lieber zwei Wochen Fahrradfahren als Joggen. Vilen Spielern ist der Blick in den Spiegel wichtiger als Leistung auf dem Trainingsplatz. Das hätte es früher so nicht gegeben. Den hätten wir im Training aber abgegrätscht..."

DFinfo: Micha, Alles Gute und vielen Dank für dieses Interview!"

 

 

 

 

 

Holger Britzius, überall bekannt als Holle, hat nach Jobs für DSF und in der Allianz Arena seinen Traum zum Beruf gemacht: Szenewirt in München! Immer blau-weiß im Herzen tragend, betreibt Holle dort nämlich das "Stadion an der Schleissheimer Strasse", Deutschlands originellste Fußballkneipe!

Eigentlich heißt es ja, man habe mit 17 noch Träume hat – ich war aber ein paar Monate zuvor stolze 18 geworden, einen Traum hatte ich aber trotzdem: Mit dem KSC im ersten Jahr auf der internationalen Bühne ins Achtelfinale des UEFA-Cups einziehen. Viel mehr als die Blau-Weißen interessierte mich zu dieser Zeit ohnehin nicht – na gut, so oft wie möglich einen draufmachen vielleicht, aber Fußball und Bier ließen sich ja schon immer ganz gut miteinander verbinden. So auch an jenem 2. November 1993.<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

Zwar wurden die Finger doch ziemlich kalt beim obligatorischen Vernichten diverser Hoepfner-Sixpacks im idyllischen Karlsruher Schlossgarten, aber das war meinen Jungs von der GEZ Baden und mir leidlich egal – wir waren heiß auf das nächste Heimspiel im UEFA-Cup nach dem schwer emotionalen und spannenden Erstrundenspiel gegen van Bröckelen und Co. 1:3 auswärts verloren bei den Spaniern, Valencia Tabellenführer und der Winnie auf der Tribüne – scheiß der Hund drauf: Flutlicht und 25.000 im Rücken werden es schon richten.

Als wir dann – zur Abwechslung mal nicht kurz vor knapp – im A4 ankamen, brodelte es schon auf den Rängen. Heute wollte Karlsruhe mal wieder zeigen, dass es eben keine Eintagsfliege war, dass sich der KSC erstmals für den UEFA-Cup qualifiziert hatte – und das zeigte auch die Mannschaft von Anfang an: Der Schiri pfeift an und gleich wieder ab, weil alle Blau-Weißen – allen voran Euro-Eddi – wie die Stiere auf die anstoßenden Spanier stürmten und das sollte ein Fanal sein.

Trotz einiger brenzliger Situationen peitschten die Fans das Team nach vorne als Eddi Schmitt die Flanke von Manni Bender dann über die Linie drückte, brachen das erste Mal alle Bänne. Was folgte war ein Feuerwerk und ich erinnere mich eigentlich nur noch an wilde Jubelorgien im Block, minutenlange „Eviva Espana“- und „Zieht den Spaniern die Badehose aus“-Gesänge und tausende ungläubige aber umso glücklichere Gesichter. Ein Jubeltaumel folgte dem nächsten und ich hatte wohl noch nie so viele fremde Menschen im Arm.

Nach den diversen Ehrenrunden ging es dann natürlich direkt ins Titanic, wo man alkoholisch versuchte, zu fassen, was gerade passiert war. Nachdem dies nicht gelang ging die wilde Fahrt weiter nach Durlach in die Funzel, wo aber keiner mehr reinpasste, da der Schütte ja hinterm Zapfhahn stand. Am nächsten Morgen wachte ich dann neben einem original Emaille-Schild „Badener Straße“ auf – stimmt, wir wollten uns ja noch eine ganz besondere Erinnerung an diesen legendären Abend besorgen, hatten wir wohl auch.

Das Schild sowie die gerahmte Eintrittskarte mit dem Foto aus der BNN begleitet mich seit dieser Zeit überall hin und hängt natürlich auch in meiner Münchner Kaschemme. Doch nicht nur deshalb werde ich nun seit 14 Jahren immer wieder auf das Valencia-Spiel angesprochen, sobald klar wird, dass ich KSC-Fan bin. Dieses Spiel scheint wirklich jeden elektrisiert zu haben, nicht nur Jörg Dahlmann, der in diesem Frühjahr ja noch die erste Halbzeit mit geschätzten 200 KSC-Fans im Stadion an der Schleißheimer gemeinsam anschaute.

Mein persönliches Highlight hatte ich dann aber beim Abschiedsspiel von Edgar Schmitt in Bitburg, als ich mich irgendwann zufällig auf der Spielerparty wiederfand und auf dem Urinoir plötzlich Eddi links und Schütte rechts neben mir standen. Meine beiden Helden gemeinsam auf dem Pisspott – ein Traum wurde wahr, der nächste nach dem 2. November 1993. Vom Valencia-Spiel hab ich da allerdings nichts gesagt, sondern einfach selig gestrullert...

 

 

 

 

Der gebürtige Mosbacher Pater Burkhard ist mittlerweile seit über fünfzig Jahren leidenschaftlicher KSC-Anhänger. Seit vierzig Jahre ist der überaus symphatische Pater Mitglied des Kapuzinerordens und seit Jahren in Offenburg tätig. Der KSC kann sich glücklich schätzen einen solchen Fan zu haben - Pater Burkhard hat einfach den richtigen Draht nach oben!

 

Der KSC hatte, soweit ich mich noch erinnern kann, im Vorspiel in Valencia 3:1 verloren, wobei Edgar Schmitt ja ziemlich zum Schluss noch dieses wichtige Tor für den KSC schoss?!

Nun galt es im Rückspiel wenigstens 2:0 zu gewinnen oder mit 3 Toren Unterschied, dann wäre der KSC weiter gewesen. Wie die einzelne Torfolge in welcher Minute usw. war, weiß ich heute nicht mehr; aber ich erinnere mich noch schwach, dass ich aus dem Staunen und mich Übermäßig-Freuen nicht herauskam, auch bezüglich des vierfachen Torschützen, Edgar Schmitt. Sooft war ich bis dahin und auch danach noch in keinem KSC-Spiel aufgesprungen vor lauter Begeisterung und Freude, aber auch um stehend mit den anderen Zuschauern meine Ovationen den KSC-Spielern zu geben. Es war ein Riesenfest, das man sicher nur einmal als KSC-Fan (seit 1956!) so erfahren hatte. Nur eine Deutsche Meisterschaft oder ein Champions-League-Sieg (!!) könnte das vielleicht steigern. Jedenfalls weiß ich, dass ich damals vor Freude feuchte Augen hatte! Noch tage-, ja monatelang sprach ich mit anderen Fans über diese tolle Leistung von fast lauter Nobodys in KSC-Reihen – es war kein einziger Nationalspieler dabei und die Spieler hatten bis dahin noch keinen Namen, den man international groß gekannt hätte. Ich erinnere mich auch noch genau, dass der Coach von Valencia nach dieser bitteren Niederlage fristlos entlassen wurde, allerdings 1 oder 2 Jahre später auch wieder zurückgeholt wurde.

Später durfte ich ja „Euro-Eddy“ persönlich kennen lernen und mit ihm auch im DSF oder in Premiere eine mehrminütige Sendung im Wildparkstadion bestreiten; das müsste Ende 1994 oder Anfang 1995 gewesen sein.

Die 90er Jahre waren eine tolle Zeit des KSC, nicht nur wegen des grandiosen Sieges über Valencia, über den man ja heute noch in Fachkreisen spricht, sondern auch wegen seines internationalen Auftrittes im UEFA-Cup und in der Bundesliga. Allerdings ging es Ende dieser 90er Jahre leider auch steil nach unten bis in die Regionalliga. Im Augenblick ist der KSC wieder auf dem besten Wege, an diese glorreiche Zeit anzuknüpfen mit einem Trainer Ede Becker, der mir um einiges sympathischer ist als der Trainer der 90er Jahre, weil er ruhiger agiert und immer auf dem Teppich bleibt trotz bisher großartiger Erfolge. Außerdem ist er ein ehrlicher und fleißiger Arbeiter, der es verdient hätte, mit seinem KSC, dem er ja schon –zig Jahre angehört, mal ganz oben zu landen. Ich jedenfalls unterstütze ihn und seine Spieler mit meinen bescheidenen Mitteln (Kontakt und Gebet!).

 

 

 

 

 

Jörg Dahlmann gilt seit vielen Jahren als bester deutscher Fußballreporter. Seine Liebe zum KSC entwickelte sich dabei so zufällig wie folgerichtig. Bei vielen Uefa-Cup-Spielen war er live vor Ort, seine Berichterstattung vom großen Valencia-Spiel machte ihn legendär. Jörg berichtet heute für DSF und Premiere und drückt dem KSC ganz fest die Daumen!

 

DF.info: Herr Dahlmann, welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem 02. November 1993, dem Tag des KSC-Valencia-Spiels?

Jörg Dahlmann: Es ist ein Feiertag für <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" />mich. Ist doch klar, dass ich stolz wie Oskar bin, dass ich dieses historische Spiel damals für SAT.1 kommentieren durfte. Es war unglaublich emotional. Was viele Leute vergessen haben, dass Valencia damals mit Trainer Guus Hiddink vor Real und Barcelona Spitzenreiter in Spanien war. Es war der zum damaligen Zeitpunkt vielleicht beste Club Europas. Dann noch das Hinspiel 3:1 gewonnen. Ja, es erschien unmöglich für den KSC, im Rückspiel noch etwas zu reißen. Aber was die Jungs um Schütterle damals aufs Feld gezaubert haben, war Rausch-Fußball. Die waren auf dem Feld wie von Sinnen. Das hat sich aufs ganze Stadion übertragen. Es war eine taumelnde, freudetrunkene KSC-Familie, die nicht wusste, was mit ihr geschah.

DF: Unzählige KSC-Fans haben sich im Laufe der letzten 14 Jahre mindestens genauso unzählige Mal das berühmt-berüchtigte '7:0' angeschaut. Ihre Stimme, die Zitate kennt jeder. Doch wie schaut es da bei Ihnen aus? Wie oft haben Sie das Spiel dann noch einmal gesehen?

JD: In Ausschnitten ein paar Mal per Zufall. Ganz habe ich es einmal gesehen vor einem Auswärtsspiel des KSC bei 1860. Da war ich von KSC-Fans in eine Kneipe in der Schleißheimer Straße in München eingeladen und habe es dort mit einigen Karlsruher Anhängern (ehrlich gesagt war die Kneipe zum Bersten voll) angesehen. Habe wieder eine Gänsehaut bekommen – wie damals.

DF: Sie sprechen es an: Im "Stadion an der Schleissheimer Strasse" fand eine wirklich bizarre Fanparty statt, u.a.  etliche Dangerfreaks waren live dabei. Die Stimmung war riesig, doch wie ging es Ihnen dabei? Wie klingt denn die eigene Stimme?

JD: ja, wie gesagt, eine Gänsehaut. Aber ich find es echt verrückt und gleichzeitig macht es mich ein bisschen stolz, dass die Fans meine Worte auswendig wissen.

DF: Ist man sich während einer Moderation eigentlich im Klaren, was man da so alles vom Acker lässt?

JD: Normalerweise schon. Aber was beim Valencia-Spiel sich abspielte, hatte mit Normalität aber auch rein gar nichts zu tun. Es war Emotionalität pur. Ich habe an diesem Abend völlig meine Besinnung verloren. Ich hatte als Fan kommentiert, hatte mich nicht mehr an die journalistische Order gehalten, eine gewisse Distanz zum Geschehen zu vermitteln. Es war mir alles wurscht. Ich freute mich wie ein Schneekönig und habe vor mich hingeredet, gar nicht mehr kommentiert. Es war aber auch die Freude über Edgar Schmitt, der auf seine alten Tage (wurde ja erst mit 28 Jahren Profi) noch so einen großen Erfolg feiern durfte und der bekanntlich ein paar Tage vor dem Spiel einen schlimmen Autounfall und sich viermal überschlagen hatte. Es war die absolute Krönung, dass gerade er ein Tor pro Dreher erzielte. Nur Schmidt – was heißt hier eigentlich nur? Zack, schon hatte es wieder geklingelt im Valencia-Tor.

DF: "Ich liebe Leute, die Heber machen, und er hebt und hebt und hebt... hineeein!", "Die Brasilianer aus Baden!", "Pizzi aber nixi" - hat Ihre leidenschaftliche Berichterstattung auch im Hause Sat1 damals Spuren hinterlassen? Wurden Sie gelobt oder verwarnt - bei so viel Euphorie?

JD: Es war eine andere Zeit der Berichterstattung. Die Ran-Redaktion von Reinhold Beckmann und Michael Lion war einzigartig. Wir hatten unglaublich viele Freiheiten, mussten uns nicht – wie heute viele Redaktionen – in ein gewisses Schema pressen lassen. „Becki“, wie wir unseren Chef damals nannten, war selbst ein schräger Vogel, der das Verrücktsein förderte. Dadurch haben wir kreativ viel bewegt. Leider hatten wir unter der vielen Werbung immer zu leiden. Aber was zwischen der Werbung lief, was absolut top. Mit Moderatoren wie Wontorra, Kerner, später Welke, mit Kommentatoren wie Höhner, Herrmann, Voigt, Jestaedt, mit Filmemachern wie Quast und Veltman. Es war einmalige Zeit.

DF: Immer wieder haben Sie in den Folgejahren von Spielen des KSC berichtet. In Rom haben sie sogar mit Johannes B. Kerner mit den Fans La Ola gemacht! Lügen die Eindrücke oder hat die Valencia-Nacht Spuren im Reporterherzen hinterlassen?

JD: Pssst. Nicht weitererzählen. Alle Kollegen, ob Wonti, Kerner, Beckmann oder auch News-Frau Gaby Papenburg – alle wollten nach Karlsruhe . Wegen der Aufbruchstimmung, aber auch wegen der Herzlichkeit von Trainer-Team (Schäfer, Ullrich, Becker) und Präsidium (Roland Schmider), der vielen freundlichen Ordner und KSC-Angestellten. Es passte von A bis Z.

DF: Wir schreiben das Jahr 2007. Der KSC ist nach Jahren der Depression zurück in Liga Eins. Glauben Sie, dass die badischen Fußballfans noch einmal so einen Abend erleben werden?

JD: Nein. Glaube ich nicht. Annähern vielleicht, aber nicht in dieser Form wie damals. Schauen Sie mal, wie viele Vereine sich seit Jahrzehnten im internationalen Geschäft tummeln. Und wer von denen hat solch einen Europacup-Abend erlebt? Vielleicht Bremen mit seinen Wundern, aber sonst? Fragen Sie doch mal in Schalke, Dortmund, München, Stuttgart oder Hamburg, ob sie die Erlebnisse des KSC gegen Valencia toppen können. Nein. Es war ein Erlebnis für die Ewigkeit.

Herr Dahlmann, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin alles Gute, Gesundheit und viele KSC-Live-Spiele!!!<?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

 

 

 

 

 

Manuel, ist Valencia-Fan von klein auf: Sein Vater nahm ihn bereits im zarten Alter von vier Jahren mit ins Stadion Mestalla. Dort war er auch an einem Abend im Oktober des Jahres 1993. Gegner war eine bis dahin kaum bekannte Mannschaft aus Karlsruhe und Manuel, heute Kneipenwirt in der Fankneipe Ciudad de Real,erinnert sich nur zu genau...

"Ich war mit drei Freunden wie immer im Stadion und ich glaube wir haben noch nie eine so einseitige Partie gesehen. Das Spiel hätte schon 7:0 ausgehen können... Da haben wir Valencianos dann auch die erste Bekanntschaft mit diesem Tier im Tor gemacht, Jahre später trafen wir uns wieder, im Champions League Finale und ganz Valencia musste wieder an dieses "Karlsruhe" denken. Das Rückspiel habe ich damals übrigens in der Kneipe nebenan gesehen, in der Manolo et la Bomba Bar. Manolo kennt jeder und ist der bekannteste Fußballfan der Welt. Der Mann mit der Trommel. Auf jeden Fall wollten wir an dem Abend so richtig einen drauf machen, das Spiel eher so nebenher schauen. Dass wir gewinnen würden war ja schließlich beschlossene Sache. Spätestens mit dem 0:2 habe ich es dann aber aber mit der ANgst zu tun bekommen und das Ergebnis ist ja jedem bekannt. Jurz danach wurde Gus Hiddink als Trainer entlassen, es dauerte noch Jahre bis wir uns von diesem Schock erholen sollten. Aber dann Meister, gleich zweimal! Karlsruhe ist lange her und hier ein Synonym für die erfolglosen Neunziger, daran denkt man im Gegensatz zu euch natürlich nicht so gerne zurück."

 

 

 

René, Dangerfreak der ersten Stunde, ist mit Sicherheit einer der größten KSC-Fans überhaupt. Ob als René le Bon an den Turntables oder Herr Pohl im Klassenzimmer: Die Gedanken sind doch blau-weiß!

"In der besagten Movembernacht war mein Kumpel Andy auf Malle im Knast - er hatte sich an einem bereits aufgebrochenen Kiosk im Pornoregal bedient und war inflagranti ertappt worden.

So wachte er am Morgen nach dem Spiel auf seiner Pritsche auf, ohne irgendwas über das Ergebnis zu wissen. Seine erste Frage an den Wärter, der kein Wort deutsch konnte, war: Futbol? Valencia? Uefacup? Der Wärter zeigte ihm per Handzeichen lachend sieben an...da freuten sie sich miteinander, weil der Andy hatte errechnet: 5:2? geil, des reicht!!!"

 

 

 

 

Matthias Dreißigacker lebt nach Jahren der Wanderschaft wieder in Karlsruhe. Mit viel Leidenschaft und Ideenreichtum bringt er das einzigartige Fußballmagazin "Auf Ihr Helden" heraus. Mit dem Valencia-Spiel verbindet Matthias nicht nur Gutes, im Gegenteil: Der Hype begann ihn schnell zu nerven!

 

Obwohl nach dem Hinspiel, in dem sich Valencia eindrucksvoll überlegen gezeigt und den KSC zum Statisten degradiert hatte, große Zuversicht nicht angebracht war, schloß ich eine Überraschung nicht aus. Weshalb? Einerseits imponierte mir das freche Selbstbewußtsein von Edgar Schmitt, der dem Fernsehen noch auf dem Rasen des „Mestalla“ ein naiv dreistes Interview gegeben und das Weiterkommen noch längst nicht aufgegeben hatte. Und dann sollte der bulgarische Stürmer Luboslaw Penev beim Rückspiel nicht dabei sein, der die KSC-Abwehr in Valencia doch arg überfordert hatte. Ein Typ wie heute Jan Koller, in meiner Erinnerung allerdings technisch beschlagener und torgefährlicher. Nun gut., der KSC hatte ohnehin nichts zu verlieren und sich in der ersten Runde gegen Eindhoven so sympathisch präsentiert, daß ihm das erwartete Ausscheiden gegen den Tabellenführer der Primera Divison von Öffentlichkeit und Fans bestimmt nicht übel genommen worden wäre.

Vor dem Tag des Rückspieles hatte ich ein verlängertes Wochenende bei meiner Freundin in Basel verbracht, mir vor der Abreise mit dem Auto allerdings etwas zu lange aufhalten lassen (er war gut), so daß ich schon wußte, daß es zeitlich knapp werden würde, rechtzeitig im Wildpark zu sein.

Das Unglück steigerte sich noch kurz vor der Grenze, als ich bemerkte, meinen Paß bei meiner Freundin vergessen zu haben. Nochmals umzukehren schloß ich aus, da der Spielbeginn somit nicht mehr zu halten gewesen wäre. Aber wenn ich an der Grenze von schweizerischen oder deutschen Grenzern angehalten worden wäre, hätte ich wohl das ganze Spiel abschreiben können. Dennoch hoffte ich auf einen guten Tag und reichlich Glück – und fuhr weiter. Die Panik erwies sich schließlich als überflüssig, da niemand etwas von mir wollte und ich beiderseits einfach durchgewunken wurde. Also würde ich pünktlich in Karlsruhe sein.

Das Spiel an sich war natürlich unglaublich, Euphorie und Atmosphäre unvergeßlich. Man kann tatsächlich sagen, daß die Menschen aus dem Häuschen waren – Sowohl Leidenschaft und Selbstverständlichkeit des KSC-Spiels waren singulär. Es war „totaler Fußball“.

Erstaunlicherweise ist das Spiel für mich allerdings dennoch nicht als besonderer Höhepunkt in der Erinnerung geblieben und daher denke ich weniger emotional daran zurück. Vielleicht lag es daran, daß ich nur eine Karte für den Block E1 erhalten hatte und das Spiel somit nicht gemeinsam mit meinen Freunden im A1 sehen konnte. Wer jetzt sagt, das sei doch völlig egal – Hauptsache dabei – unterschätzt jedoch die Einsamkeit in einem fremden Block, mit fremden Leuten. Und durch die Bestimmung der UEFA, die Zuschauerzahl in den Stehplatzbereichen zu begrenzen, war es dort ohnehin reichlich „luftig“. Auch fehlte mir mein gewohnter Blick vom „Einser“.

Nach dem Spiel mußte ich sofort nach Heidelberg (wo ich studierte) aufbrechen, sodaß ich die Stimmung in Stadion und Stadt auch nicht mitbekam. Natürlich trank ich in Heidelberg noch das eine oder andere Bier – aber es war doch eher ein nüchternes Sackenlassen eines wundersamen Abends.

Kurz und ehrlich gesagt, besitzt das Valencia-Spiel für mich also nicht diese überhöhte Bedeutung wie für alle, oder zumindest die meisten anderen. Vielmehr ist es sogar so, daß mich der Hype um dieses Spiel bald zu stören begann und ich heute innerlich nur noch abwinke.

Ich verbinde mit dem KSC weitaus bewegendere Momente und Erinnerungen, die mich bis ans Lebensende nicht mehr verlassen werden. Es ging um Ab- und Aufstiege, ja um die Existenz des ganzen – ja meines Vereins. Jenes Spiel war Zirkus im Sinne von Zugabe oder Kür. Aber eben irgendwie nicht so wichtig oder existenziell, auf daß es für mich eine außerordentliche Wichtigkeit besaß oder besitzen würde. Ich würde bis heute zehn, nein zwanzig „Valencias“ gegen einen DFB-Pokalsieg von 1996 eintauschen.

Generell fielen die erfolgreichsten KSC-Jahre in eine Lebensphase von mir, die mich geographisch und emotional vom Verein entfremdete. Ich studierte in Heidelberg und Jena, so daß ich das veränderte Anspruchsdenken und die Metamorphose des Klubs nur noch von außen mitbekam. Natürlich habe ich auch in diesen Jahren den KSC noch live gesehen, vor allem, wenn er einigermaßen in der Nähe spielte, aber er war mir fremd geworden. Ich war in Jahren aufgewachsen, als man selbst in Karlsruhe noch ausgelacht wurde, wenn man sich als Fußball- und vor allem KSC-Fan outete. Man hatte sich mit 3.000 anderen gegen Pirmasens die Hacken abgefroren oder sich gegen Fortuna Köln durchregnen lassen. Nur wenig war für einen Gymnasiasten uncooler, als zu den Proleten zu gehören, die ins Stadion gingen, um sich diese Trümmertruppe anzuschauen. Das sind wahrscheinlich diese Gefühle, die KSC-Fans haben, die in den jüngsten schlechten Jahren dazukamen und mit Regionalliga- und Zweitligafußball sozialisiert wurden. Damals und heute wieder sind jetzt plötzlich alle dabei.

Ein halbes Jahr nach dem Valencia-Spiel wechselte ich den Studienort und verbrachte fortan sieben schöne Jahre in Thüringen, in Jena. Für Erinnerungen an das 7:0 ist diese Information vordergründig eigentlich weniger von Belang. Allerdings machte ich dort die nachdrücklichste Erfahrung dahingehend, welche Wirkung die europäischen Auftritte des KSC im Land entfalteten.

Damals war mein Konto bei der Postbank und wenn ich außerhalb der Schalteröffnungszeiten Geld haben wollte, mußte ich ins ca. 20 Kilometer entfernte Weimar fahren. Denn dort stand weit und breit der einzige Geldautomat dieser Bank. Etwa ein dreiviertel Jahr nach dem 3. November fuhr ich also wieder mal zum Automaten meines Vertrauens und kurvte mit mäßigstem Tempo durch die Straßen der Klassikerstadt. Meine Scheiben hatte ich ob der milden Temperaturen heruntergekurbelt. So passierte ich also eine Ampel, bei der ich abbiegen mußte. In Schrittgeschwindigkeit das Lenkrad einschlagend ließ ich zwei Jungs über die Straße, deren Blick auf den KSC-Wimpel an meinem Rückspiegel fiel – „oooooh, Ka- Es-Ce!“. hörte ich die beiden synchron ausrufen. Sie schauten meinem Auto alsdann noch einige Zeit hinterher, wie ich im Blick zurück feststellen konnte.

In Weimar, zwölfjährige Kinder, KSC! Was die damalige Mannschaft für Verein, Stadt und Region eigentlich geleistet hatte, wurde einem in solchen Momenten klar. Der Kleckerlesverein war nach Jahrzehnten überregionaler Bedeutungslosigkeit endlich im Bewußtsein des deutschen Fußballs angekommen. Und trotz der anschließenden Katastrophen von diesem nicht vergessen worden. An diese Erinnerungen konnten sich die Fans klammern, die dem KSC auch nach 1998 und 2000 noch die Treue hielten. Das ist denn nun auch der Punkt, an dem ich dem Spiel vom 2. November einen hohen Stellenwert beimesse. Aber leider eben auch nicht viel mehr.

 

 

 

Papa Goerkee, lebt in Weingarten (natürlich Baden), ist stolzer Opa und genießt als solcher die Vorzüge seines wohl verdienten Rentnerdaseins. Nicht nur seine Weinproben sind legendär! Besondere Freude bereitete es Klaus immer, Kollegen des Kultusministeriums mit badischen Gemeinheiten zu ärgern...

"Mit Freunden waren wir an jenem denkwürdigen Tag an der Algarve in Portugal. Als wir nach dem Abendessen in's Zimmer kamen, wurde gleich der Fernseher eingeschaltet und: ? Es stand schon 2:0!! Unglaublich: selbst die beiden Frauen schauten zu und freuten sich mit jedem Tor mehr, dass sie ihren Männern zuliebe auf den Spaziergang verzichtet hatten!! Im Hotel war die Freude groß, denn die Portugiesen sind eben auch gute Badener... Nach dem 7:0 wurde die Zimmerbar geplündert!!"

 

Oliver Räther erlebte das 7:0 auf einer thailändischen Insel. Alles andere als live und doch so leibhaftig!

Ich arbeitet zu dieser Zeit auf einer kleinen Insel vor Thailand als geschäftsführer einer bungalowsiedlung mit restaurants, kneipen und so weiter. Es gab zu dieser Zeit kein TV, Radio oder sonstwas. Als glühender KSC-Fan war ich auf Gedeih und Verderb der einzigen englisch-sprachigen Tageszeitung ausgeliefert, die aber immer mit 1-2 Tagen Verspätung den weg übers wasser gefunden hat. Die neu angekommen touris hatten von fussball keine ahnung, ausser einem vollidiot, der meinte das spiel gegen valencia hätte der KSC gewonnen, aber er wär sich nicht sicher, könnte auch andersrum gewesen sein. Ich wollte ihn erwürgen, hab's aber gelassen. 2 Tage nach dem Spiel dann die Tageszeitung gekommen. Völlig aufgeregt den Sportteil gesucht und tatsächlich gelesen : KSC 7 vs. valencia 0. Es konnte sich wohl nur um einen der öfters auftretenden druckfehler handeln, also nicht zu früh gefreut, sondern erstmal ALLE andern exemplare der gleichen zeitung auf der insel aufgekauft, um sicherheit zu bekommen (wie blöd kann man sein?)  und Überraschung: überall stand das gleiche drin. Mein Herz schlug immer heftiger und ich beschloss alle neuen touris direkt auf der fähre sportergebnistechnisch auszupressen. Und wirklich, ein älterer herr aus Bruchsal schwor Stein & Bein, dass das Ergebnis stimmt. Ich hätte ihn fast geheiratet, diesen tollen Mann. Ich war so glücklich, dass ich den ganzen abend Freibier im Lokal ausgeschenkt hab, ohne Rücksicht auf verluste. Dieser wurde aber am nächsten tag meinem chef durchaus offenbar, diesem peniblen menschen ohne jeden fussballverstand ( Bayernfan - was sonst ). Kurzum, mir wurde am nächsten Tag gekündigt und sein verloren gegangener gewinn mir vom letzten lohn abgezogen. Super. So hab ich diesen termin in erinnerung. aufregend, sensationell, freudetrunken, mit traurigem ende -  aber niemals bereut.

Eine typische KSC-Fan-Karriere irgendwie.

 

 

Der KSC hat in Spanien noch heute einen guten Namen, wie Helge Holleck zu berichten weiß. Helge arbeitet an der Deutschen Botschaft in Madrid und verfolgt gemeinsam mit Kollegen allsamstäglich live die Spiele der Blau-weißen. Am 02. November 1993 war Helge aber woanders. In Leningrad!

1. In Karlsruhe 1967 geboren und aufgewachsen bin ich seit 1987 mit dem Auswärtigen Amt als Arbeitgeber auf Weltreise. Zwar hat mich das Personalkarussel noch nicht aus Europa herausgetragen, in Griechenland, Russland und Spanien habe ich gelebt; aber den KSC verfolge ich gezwungenermassen seit 1990 überwiegend im Fernsehen, im kicker, später im Internet. <?xml:namespace prefix = o ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:office" />

Am 2. November 1993 hatte ich mein herausragendstes Fernseherlebnis. Ich war seit November 1990 am Generalkonsulat Leningrad tätig. Wenig später wurde die schöne Stadt mit dem 1.Liga-Club „Zenit“ umbenannt in St.Petersburg. Die Uefa-Cup-Saison des KSC fand für mich überwiegend in der Einliegerwohnung der Bundesgrenzschutz-Sicherheitsbeamten auf dem Gelände des Generalkonsulat statt. Dort gab es Sat-TV. Zwei Stunden Zeitverschiebung führten teilweise zu Nachteinsätzen. KSC-Valencia begann aber zum Glück recht früh. Mit Fanutensilien ausgestattet und wenig Hoffnung auf ein Weiterkommen liess ich mich neben bayrischen und norddeutschen Grenzern auf dem ausgelutschten Dienstsofa nieder. Ich war nach dem Hinspiel skeptisch: den Abschied vom Uefa-Cup sollten einige Six Packs Bier mildern.

Valencia war anfangs gar nicht so schlecht, hatte Konterchancen. Ich habe in Erinnerung, daß ich anfangs Valencia als torgefährlicher einstufte, wir mit Kampf und Leidenschaft dagegenhielten. Das KSC- Doppelpack zum 2-0 kam für mich dann relativ plötzlich und überraschend. Das 3-0 zur Pause veranlasste mich noch nicht zur Euphorie: „Abwarten, abwarten, das wird noch eine schwere Kiste, da ist noch nichts entschieden, abwarten!“. Bis zum 5-0 zählte ich noch die Tore, die Valencia schiessen müsste, um weiter zu kommen, traute dem Braten noch nicht ganz. Nach dem 6-0, Euro-Eddy hatte einfach mal draufgehalten, brachen alle Dämme. Wir lagen uns in den Armen, sangen, sagten immer wieder: unglaublich, unvorstellbar, Wahnsinn!

Nach dem Spiel trat ich freudetrunken mit KSC-Fankluft in die kalte, dunkle russische Nacht – alles schien so unwirklich. Zum Glück waren kaum Leute auf der Strasse. Ich wäre als ausserirdischer Verrückter angezeigt und eingebuchtet worden. Alleine im Auto fuhr ich Lieder singend (wir holen den Uh- Uh- eeefa Cup) , schreiend, euphorisch zurück in meine Wohnung auf der anderen Seite des Flusses Newa. In dieser November-Nacht war ich sicher der Glücklichste unter den 5 Millionen nichtsahnenden Mitmenschen in St.Petersburg.

 

2. Wie ging es in den folgenden 14 Jahren weiter mit KSC-Valencia?:

Ein kurz darauf von unserer Konsulatsmannschaft organisiertes internationales Fußballturnier in St.Petersburg brachte ein breites Presseecho ein. Einem russischen Sportjournalisten steckte ich, daß ich Fan von Sergej Kiriakow sei, Kiki, wie er bei uns heisse. Grosse Überraschung: am nächsten Tag bin ich Titelseite: Spielführer der deutschen Freizeit-Mannschaft ist aus Karlsruhe und Fan von Sergej Kiriakow!

Im Sommer 1994 kamen auf eine Party bei mir zu Hause mit einem russischen Freund zwei junge spanische Künstler mit ihren Freundinnen mit. Sie wollten eine Performance in der Kunstakademie machen, suchten dafür alte Koffer und Kleidungsstücke: nette, verrückte Typen: „Hello! Where do you come from?“- „We are from <?xml:namespace prefix = st1 ns = "urn:schemas-microsoft-com:office:smarttags" />Valencia. Spain!“ – „Oh, Valencia? I am from Karlsruhe, you know: Karlsruhe Football Club!!!“ – ich hole meinen KSC-Schal!- „Oh no! Please, no!“. Die beiden waren tatsächlich Valencia-Fans und hatten das Hinspiel live im Stadion Mestalla gesehen. Sie sagten: „Helge, we never saw a football team that played so bad as your team in the first match in Valencia. Therefore we couldn´t believe what was happening in the return match over there in Germany!“

1994 wurde ich nach Barcelona versetzt. In Spanien war der Bekanntheitsgrad des KSC geringer. Mit dem Namen konnte kaum jemand etwas anfangen. In Spanien heisst unser Klub „el Karlsruher“. Ich musste immer erklären, daß das die Mannschaft ist, die den FC Valencia 7-0 besiegt hat. Man verband in Spanien damit den Rücktritt von Trainer Hiddink und den schleichenden Niedergang des damaligen Tabellenführers Valencia. Mir war nach kurzer Zeit klar: die Spanier kümmern sich um ihre eigene Liga, um den FC Barcelona und Real Madrid. Da interessierte nur, daß der FC Valencia hoch besiegt wurde, nicht die Helden, die es vollbracht hatten.

Im Frühjahr 2006, inzwischen an der deutschen Botschaft in Madrid tätig, organisierten wir im Vorfeld der Fußball-WM zusammen mit dem Goethe-Institut einen Kurs für spanische Sport-Journalisten mit landeskundlichen und sprachlichen Inhalten. Das Fach „Fußball-Kunde“ deckte Robert Mucha, ein Redakteur des Magazins „11 Freunde“, ab, den wir aus Berlin eingeflogen hatten. Der Pressesprecher der Botschaft lud die zahlreichen Journalisten zum Mittagessen ein. Ich ging mit zwei Redakteuren der Sport-Tageszeitung „Marca“ zum Restaurant. David Ruiz, Redakteur für „Futbol Internacional“ bei „Marca“ und Fußball-Lexikon auf zwei Beinen, fragte mich nach meinem Favoriten in der Bundesliga. Ich sagte schüchtern, daß mein Club derzeit in Liga 2 spiele, man kenne ihn hier in Spanien als „Karlsruher“. Meine Überraschung war groß, als mir David sagte: „Claro, el Karlsruher, Edgar Schmidt, 4 goles, el 7-0 al Valencia“. David war zuvor für „Marca“ beim Afrika-Cup und hatte dort ein längeres Interview mit Kamerun-Trainer Winnie Schäfer geführt. Natürlich sei dabei auch der KSC-Valencia Klassiker zur Sprache gekommen. 

Bei meinen Eltern in Karlsruhe-Waldstadt liegen noch zahlreiche Video-Kassetten, die mit KSC-Eindhoven, KSC-Boavista oder KSC-Real Madrid beschriftet sind. Als ich auf Heimaturlaub mal die KSC-Valencia Kassette sicherstellen wollte, wurde ich bei der Suche fast verrückt. War etwa die Beschriftung falsch? Konnte es sein, daß ein Freundschaftsspiel (KSC-Real Madrid) noch vorhanden war, aber KSC-Valencia überspielt wurde oder verloren gegangen ist? Die Kassette blieb verschwunden. Ebay sei Dank kann ich mir dieses Jahr am 2. November wieder KSC-Valencia ansehen. Das Spiel ist nach 14 Jahren auch für spanische Fans von historischem Interesse: es spielte noch Quique Sanchez Flores in der Abwehr, heute Trainer von Valencia. Ausserdem der unsägliche Pedja Mijatovic, heute Sportdirektor bei Real Madrid. Im Sturm der Hispano-Argentinier Pizzi, den ich in der Saison 1996/1997 beim FC Barcelona bejubelte. Er schoß das legendäre 5-4 im Pokal-Viertelfinale gegen Atletico Madrid. Im Anschluss an das Valenica-Spiel hat der Ebay-Verkäufer noch KSC-Bordeaux aufgespielt: Zinedine Zidane mit vollem Haar im Wildpark, Lizarazu lange vor dem FC Bayern! Schöne Erinnerungen an eine unvergessliche KSC-Zeit!

 

Oesse, weizenbierliebhabender Fussball- und Familienpapa, ist ein Lautsprecher der besonders leibenswerten Art. Als solcher delegierte er schon Fans in den Valencia-Block...

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"Meine persönliche Erinnerung - im Moment kämpfe ich mit Gänsehaut und Tränen vor meinem Rechner, an einem relativ normalen Freitag Nachmittag. Was war das doch für ein 2. November 1993... Ich war noch in der Ausbildung und im zarten Alter von 21 Jahren (rank und schlank, daß aber wirklich nur am Rande). Ich war als Ordner auf dem KSC unter dem damaligen Ordnungsdienstleiter Horst Dannenmaier beschäftigt. Mein Block war der E1 (Gästefans).

Es war ein tolles Erlebnis die sehr netten spanischen Schlachtenbummler kennen zu lernen, war doch Europa für uns in Karlsruh´ noch völliges Neuland. Das Hinspiel war brutal (legendäres Interview von Eddie nach dem Hinspiel: Die hauen wir in Karlsruhe weg...), so daß uns die Spanier, die zudem als damaliger Tabellenführer der Primera Division kamen, nicht wirklich ernst nahmen. Oli musste die ersten zwanzig Minuten einiges an Großchancen vereiteln und mehr als einmal hatten wir mehr Glück als Verstand. Nennt es Schicksal, ich wurde nach ca. 20 min. in den Innenraum beordert, da wegen des ausverkauften Spiels und der doch recht friedlichen Spanier, viele Karlsruher über den Innenraum in den E1 geleitet wurden, um Platz zu schaffen (heute sicher undenkbar). Auf jeden Fall lief es ab diesem Moment.Ich stand hinter Olis Tor und hatte spätestens nach dem 3-0 durch Schütterle jede Neutralität abgelegt. Die 2. Hälfte war dann nur noch Wahnsinn. Ich hinter dem Tor des bedauernswerten Sempere... SENSATIONELL...

Danach noch die Erinnerungen an Winni, Winni, wanna, wanna und Eviva Espana...

Die Strassenbahnfahrt nach Ettlingen, wo ich damals wohnte war der schiere Alptraum und extrem gefährlich, da die Bahn permanent aus den Gleisen zu hüpfen drohte, so wurde drinnen gefeiert... Am nächsten Tag war ich mit ca. 2 Atue im Blockunterricht meiner Berufsschule... Einfach nur schöööönnnn...."

 

 

 

 

 

Matti Hausimaeki, unentbehrlich sowohl bei der Stadt Pforzheim als auch als Erfolgscoach des FC Schorle 04. Treuer Gefährte alter Weingartener Schule der er ist, zieht Hausi gerade mit dem unglaublichen Max den Cappo der nächsten Generation KSC-Fans heran. Seine Kolumne 'Matti's große runde Welt' erscheint exclusiv auf dangerfreak.info und ist längst legendär.

An diesem legendären Abend standen wir wie immer im A1. Beim Spielstand von 6:0 Mitte der 2. Halbzeit waren alle völlig aus dem Häuschen. Just in diesem Moment ging einmal eine Aktion schief. Scheißegal, alle jubelten trotzdem weiter. Alle? Nein, im damals vielmehr als heute noch von Rentnern dominierten Block, ereiferten sich zwei Senioren, regten sich über den Fehler auf und forderten die sofortige Auswechslung von (ich glaube es war) Schmarov. Der taugt gar nix, der ist ja grottenschlecht, raus mit dem. riefen sie allen Ernst. ich fand die beiden Oldies super. Und bemitleidenswert. Es war einfach nur der genialste Fußballabend aller Zeiten. Ich will am 2.11. unbedingt wieder das Spiel ansehen.

 

 

 

 

Rottman Rotter ist eigentlich Waldhof- und HSV-Fan, symphatisiert jedoch mit dem KSC. Der leidenschaftliche Luftgitarrenspieler aus dem schönen Odenwald erlebte das 7:0 in einer Heidelberger Kneipe.

Das 7:0 habe ich in Heidelberg gemeinsam mit meinem alten Freund Huber erlebt. Wir haben uns recht unspektakulär bei ihm zu Hause verbredet, auch nur zu zweit, weil wir nicht wirklich mit einem Erfolg der Karlsruher gerechnet hatten. Außerdem bin ich ja auch nicht hauptberuflicher KSC-Fan.

Im Verlauf des Spiels sind wir aber noch ordentlich durchgedreht, was bei den WG-Mitbewohnern von Huber (Wohnheim Ringstraße) doch für sehr viel Verwunderung und sogar Ärger gesorgt hat. Zurück zu Hause traf ich meinen Onkel (bei dem ich damals in Miete gewohnt habe) und meinen kleinen Bruder (damals in den Herbstferien in Heidelberg). Diese haben mir das Ergebnis schlicht nicht geglaubt. Erst die Überprüfung via Videotext sorgte für Klarheit und mein Onkel bereut noch heute (habe gerade mit ihm telefoniert), dass er das Spiel damals nicht gesehen hatte. Er als KSC-Fan (in den Siebzigern auch mit Dauerkarte) hatte nicht an sein Team geglaubt und war mit meinem Bruder zum Essen ausgegangen!!!!!

Insgesamt also absolut eine "night to remember" - auch nach bald fünfzehn Jahren...

 

 

 

 

 

Axel Goerke, inzwischen fast bekannter unter dem Pseudonym Dangerfreak, liebt das Feiern und das Reisen und den KSC! Seit Jahren steht er im Block A1 und feiert mit seinen Freunden den Sportclub an: AUF IHR HELDEN!

"Ich erlebte das Spiel damals schon im A1 Block. Dorthin waren wir vor der Saison 92/93 gewechselt und als wir schon im ersten Spiel mit Kiriakov und Kriegs Toren erfreut wurden, blieben wir einfach dort.

Im November 1993 war ich gerade fuer eine Woche auf Lehrgang an der Zivildienstschule in Karlsruhe. Fuer das Valencia-Spiel durfte ich ein bisschen frueher gehen, so dass ich am Durlacher Tor noch den Anblick frierender Valenciafans geniessen durfte. In Moonboots und Daunenjacken sahen sie aus wie die Nutten auf der Reeperbahn! Richtig kalt sollte es aber erst zwei, drei Stunden spaeter werden...

Das Spiel brauche ich hier nicht weiter breit treten, alles ist ja bestens bekannt. Interessant vielmehr, dass alle Erinnerungen in erster Linie von der zigtausendfach gesehenen Fernsehaufzeichnung herstammen. Joerg Dahlmann liegt mir heute noch in den Ohren mit seinen Spruechen: "Ich liebe Leute die Heber machen" und "Die Brasilianer aus Baden"! Beim anschliessenden Feierrausch ùehlten sich denn auch nicht wenige an den Karnival in Rio erinnert. So ein Fest hat Karlsruhe noch nie gesehen! Laut Augenzeugenbericht fasste ich das Spiel fuer Sat1 zusammen, es kann nur voellig daneben gewesen sein! Im Titanic war die Hoelle los und man wollte gar nicht mehr nach Hause. Meines war an diesem Abend ja die Zivischule. Dort bin ich dann wohl irgendwann noch angekommen - und morgens dann, auf dem Billiardtisch schlafend, vom Hausmeister aufgeweckt. Was fuer eine Nacht!"

 

 

 

 

 

 

 

Spielstatistik:

KSC - Valencia 7:0 (3:0)

KSC: Kahn - Wittwer, Bilic, Schuster, Schütterle (71. Klinge), Carl, Rolff, Bender, Shmarov, Schmitt (82. Krieg), Kiriakov

Valencia: Sempere - Belodeci, Serer (46. Galvez), Giner, Quique (64. Eloy), Camarasa, Tomas, Fernando, Alvaro, Mijativic, Pizzi

Zuschauer: 25.000 (ausverkauft), Schiedsrichter: Leduc (Frankreich)

Tore: 1:0 Schmitt (29.), 2:0 Schmitt (34.), 3:0 Schütterle (37.), 4:0 Shmarov (46.), 5:0 Schmitt (59.), 6:0 Schmitt(63.) , 7:0 Bilic (90.)

 

Wer das Spiel noch einmal anschauen möchte: http://www.youtube.com/watch?v=-sANwZxfaMo , die Highlights des Spiels! Viel Spaß!!!

 
    Peaknet, 2004