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Der Wahnsinn hat einen Namen: SV Germania Weingarten!
Deutscher Meister im Ringen oder: Wie eine vermeindliche Randsportart ganz groß auftrumpft!
Von wegen: Nacktschnecken im Borat-Kostüm!
Das Ringen, immerhin älteste Sportart der Welt, feierte ein Fest, wie es diese Welt wohl noch nicht oft oder zumindest schon lange nicht mehr gesehen hat! Was vor Jahren bei der SV Germania Weingarten seinen Anfang nahm, sprich: Aufbau einer leistungsstarken Mannschaft, Aufstieg in die Erste Ringerbundesliga und die anschließende Etablierung in eben dieser, nun das große Finale in der Karlsruher dm-Arena, dies alles hat am Samstagabend seinen absoluten Höhepunkt erreicht! Weingarten (Wengerde!) ist Deutscher Meister! In gleichem Maße wie die Mannschaft in den vergangenen Jahren stärker und stärker wurde, so hat sichhat sich ein Umfeld bilden können, das seinesgleichen sucht. So mancher Sportclub unserer Region kann sich da mal ein Rädchen abschneiden... Wie aus vergleichsweise einfachen Mitteln derart Großes geleistet wird, Hut ab! Klar, Ringen ist eine Randsportart, nicht die Fußballbundesliga, doch ist es nicht gerade unter diesen Voraussetzungen umso erstaunlicher, was dieser, sorry: Dorfverein, auf die Beine stellt? Und zum Sponsorenakquerieren bedarf es bei der Germania keiner Vermarktungsagentur á la sportfive. Nach dem ultra spannenden Halbfinale gegen den Altmeister des Deutschen Ringen, dem KSV Aalen, war selbst das Ausweichquartier in Bretten zu klein geworden. Den Hinkampf in der Weltstadt Mömbris-Königshofen (bzw. Aschaffenburg) hatte man ja auch schon gewonnen, dazu eine überaus positive Mediendarstellung (noch so was...), klar, dass da dann auch Modefans oder Dangerfreaks kommen mussten.
An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich am Samstag tatsächlich zum ersten Mal beim Ringen war - obwohl ich selbst ein Wengerder bin. Früher wurde noch in der Oberliga gerungen, der Sport als solcher war mir schlichtweg egal. Und mit den alten Germanen-Helden Rainer und Rolf Schubert ging ich lieber gleich einen trinken als ihnen beim Ringen zuzuschauen. Fußball, FVgg, der KSC und das K5, weg von Weingarten, obwohl man immer mal wieder Positives drüber hörte oder in der Zeitung las, wurde mein Interesse erst größer als wir wieder zurück nach Weingarten zogen. Genau der richtige Zeitpunkt um das erste Mal zum Ringen zu gehen. In Karlsruhe waren schnell andere Modefans gefunden und so zogen wir rechts nichtsahnend gen Neue Messe. Lustige Vögel, diese Ringer! Oder: Hurra, das ganze Dorf ist da! Herrlich, wie die Stimmung anstieg und die Anspannung (auch bei uns! sehr sogar!) größer und größer wurde je näher der "Anstoß" rückte. Die hundert oder mehr fleißigen Helfer und Mitglieder hatten alles dafür getan um ihren Sport ins rechte Licht zu rücken. Wir haben doch alle schon weiß Gott wie viele Großveranstaltungen besucht, ob Konzerte oder Fußballspiele, WM, Olympia. Doch wann hat man jemals so etwas Perfektes erlebt? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern jemals so smooth durch den Eingang - zum Bierstand - zum Sitzplatz (Danke, Sandra!) gekommen zu sein. Wie gesagt: Eine perfekte Organisation! Und Inszenierung! Die Tribünen, der Ring, das Licht, der Sound! Wie sah das schön aus! Nach den Cheerleader und der Nationalhymne konnte alos der Sport im Mittelpunkt stehen. Wir hatten mittlerweiler lauter alte Bekannten getroffen und hatten uns auch regelkundenmäßig etwas auf Vordermann gebracht. Alles war gerichtet also für eine große Show!
Und dem wollten die Weingartener Ringer nicht nachstehen. Der Druck muss immens gewesen sein! Das nochmal herzugeben, vor dieser Kulisse! Es mag vielleicht unwahrscheinlich gewesen sein, doch beim Ringen (so haben wir uns sagen lassen) kannst du nie sicher sein. Umso wichtiger, dass die Germanen in der mit beinahe 5.000 Zuschauern proppevollen Arena nach der verlorenem Auftaktkampf schnell das Ruder an sich nahmen. Wir waren inzwischen warm geworden mit dem Ringsport. Marcel Ewald machte uns schließlich zu seinen Fans. Was für ein fantastischer Kampf in der Klasse bis 60kg. Meine Fresse, hat der den Typen rumgeworfen. Wir staunten Bauklötze und hatten in Publikumsliebling Johnny kurz danach unseren nächsten Favoriten gefunden. Was war dessen Gegner chancenlos, unglaublich! Danach war erstmal Pause! Diese geht im Vergleich zum Fußball keine 15 sondern an die 30 Minuten. Schon wieder perfekt. Längst hatten wir ausgemacht, dass wir da jetzt öfters hingehen wollen. Jetzt auch noch eine längere Pause. Herrlich! Frische Luft schnappen, Trinken, Essen, Freunschaften mit den Gästefans schließen. Ja, es war ein äußerst geschmeidiger Abend da draussen in Forchheim! Noch so was was man sich eigentlich nicht vorstellen konnte. Ich war seit einem Fanta 4 Konzert einst nie richtig warm geworden mit der dm Arena. So schlecht war damals alles (Licht, Sound, Catering). Muss man wohl erst bei Ralf Oberacker, dem überaus umtriebigen Präsidenten (und gnadenlos guten Hallensprecher) und seinen Jungs in die Lehre gehen. Bevor nun noch unzählige weitere Lobeshymnen angestimmt werden - der Kampf ging weiter, die Pause war zu Ende. Kurze Zeit später dann auch die letzten Siegeschancen der Truppe aus Mömbris-Königshofen!
René Zimmermann machte im achten Kampf des Abends schließlich alles klar. 22:14. We are the Champions! SV Germania olé, olé! Womit vor zehn Jahren keiner gerechnet hatte, war nun Realität und Weingarten Meister. Und nicht nur das! Der Abend war eine einzige Werbung für das Ringen, für den Sport. Eine große Leistung von allen daran Beteiligten. Ganz großes Kino! Der Begriff Teamarbeit gewinnt da eine ganz neue Bedeutung. Bei der anschließenden Jahresabschluss-und Meisterfeier in der Weingartener Kleiberit-Arena hat sich die Germania dann zurecht schön selbst gefeiert. Chapeau also, bravo und prima! Jetzt habt ihr den Salat: Wir kommen wieder!
- Links:
- www.svgermania04.de/de/ Germanen Webseite
- www.swr.de/sport-im-dritten/-/id=233314/did=7499200/pv=mplayer/vv=popup/nid=233314/116bdx7/index.html AUDIOKOMMENTAR bei SWR, u.a. mit Dangerfreak Kolumnist MATTI HAUSIMAEKI
Kommentare
Axel Dangerfreak
Mittwoch, 19-01-11 12:38
Aber die Kameras waren doch da! Das muss doch irgendwo gekommen sein. Mein Ärger war jedenfalls riesig als ich am Sonntagabend Sport im Dritten sah (bzw. Hoffenheim und Stuttgart) und dann am Ende GAR NICHTS über die Germania kam... Was für eine Frechheit, zumal das wirklich großer Sport war in der dm-Arena!
Klaus Brock,Kombechef
Mittwoch, 19-01-11 12:16
Hey Alter,klasse Bericht,kann ich nur zustimmen,war selbst dort und den Kampf gegen Aalen hab ich auch gesehen.Ich finde es schade,daß das alles im TV viel zu kurz kommt,bzw.gar nicht erwähnt wird.Früher gab es da noch Berichte in der Sportschau oder im Aktuellen Sportstudio,immerhin ging es da um die Deutsche Meisterschaf,mit teilweise den besten Ringern der Welt.Ok,und tschüss,Gruß Klaus
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