28.09.2010  23:10  Alter: 2 yrs
Von: Axel Dangerfreak
Ein Kommentar

Last but not least: Tokyo!

Zum Abschluss unserer kleinen Japan-Reihe das ultimative Highlight: Tokyo, die Megastadt schlechthin!

Nach zwei Wochen Japan wähnten wir uns schließlich bereit für die Kapitale. Tokyo, Megastadt der Superlative. Größer, schneller, weiter! 

Nach dem Studieren handelsüblicher Reiseliteratur hatten wir unseren Standort in Asakusa schnell gefunden, einem der ältesten Viertel und im Nordosten der Stadt gelegen. 

Asakusa, unser Kiez!

Fast schon heimelig war es da! Asakusa ist genauso wie man sich Tokyo nicht vorstellt: Ruhig, überschaubar, traditionell. Kein Neon, kaum Klimbim und nur ein Starbuck's. Dafür jede Menge interessante Einblicke in das Alltagsleben der größten Stadt Japans (und der Welt!). Tempel, Schreine, nette Restaurants und alles halbwegs bezahlbar. Nicht der Rede wert war dagegen unsere Bleibe, das Sakura Hostel. 24 euro für ein Bett im 8er Schlafsaal auf 10qm aber auch schlicht, steril, unpersönlich, eine Massenabfertigung mit einem recht verrückten Publikum. Wir waren so ziemlich die einzigen, die nicht hinterm Laptop oder vor dem Plasmafernseher saßen.  Wir fühlten uns komisch, wahrscheinlich auch nur alt. Die Gespräche der Backpacker dieser Welt scheinen noch die gleichen zu sein wie vor zehn oder zwanzig Jahren - wir hatten keine Lust auf smalltalk mit 21jährigen Engländerinnen oder Amerikanern - und machten unser eigenes Ding!

Gut auch, dass das öffentliche Verkehrswesen so perfekt organisiert ist in Tokyo (und Japan). Praktischerweise befanden sich drei U-Bahnhöfe in unserer näheren Umgebung! Die Stadt sollte und konnte also ausgiebig erkundet werden!

Im Südosten Tokyos: Auf dem Tsukiji Fischmarkt und im schicken Ginza!

 

Der Tsukiji Fischmarkt ist der größte seiner Art auf der Erde und nicht ohne Grund eine der größten Touristenattraktionen Tokyos. Zu viele Besucher kamen in den letzten Jahren, so dass die Zahl der Touristen während der frühmorgentlichen Thunfischauktionen auf eine kleine Hand voll limitiert wurde. Uns war das Risiko zu groß (70-100 € Taxifahrt nur damit man dann vor verschlossener Tür steht? Um 3.30 Uhr aufstehen?) und nahmen einen der bekannt vollen Züge zur Rushour: Die Businessmen mit ihren schwarzen Hosen und weißen Hemden, Ipads und jeder Menge Schlafbedarf. Kaum einer der nicht vor sich hin nappte - was freilich auch schön mit anzusehen war. Der Markt war auch gegen 7.30 Uhr noch bunt, laut und vor allem frisch. Im lonely planet warnen sie Familien davor ihre Kinder unbeaufsichtigt den überall umherschwirrenden Gabelstaplern auszusetzen und tatsächlich: Man musste schon ein ewig auf der Hut sein in diesem Gewimmel.

Gleichzeitig wurde der Ruf nach Kaffee, Rauch und Frühstück immer größer, weswegen wir nach einem kurzen Schwenk über den Gemüse- und Obsttrakt des Marktes (ein Apfel im Supermarkt: 3 €, hier: zwei Manderinen geschenkt!) schnurstraks den Weg nach Ginza einschlugen. 

Ginza, das ist Fifth Avenue und Düsseldorf Königsallee. Hoch zehn! Abercrombie and Fitch, Armani und Louis Vuitton. Alles unglaublich blitzeblank und überraschend schön anzuschauen. Teuer soll es auch gewesen sein, heißt es. Fündig wurden wir hier jedenfalls nicht. Aber auch das Schlendern entlang herausgeputzter Hochhausfassaden faszinierte: Architektur der ganz besonderen Art! Einmal mehr staunten wir Bauklötze, auch von Obaida aus, einem der größten aktuellen Projekte hier, eine Art Erholungsstadtteil auf der anderen Seite der Bucht von Tokyo. Vom Wasser aus betrachtet wurde uns zum ersten Mal richtig bewusst wie groß die Stadt denn eigentlich ist. Die Vorstellung mit dem Bürgermeister dieser Stadt Visitenkarten auszutauschen hatte tatsächlich was, den Gedanken daran verwarfen wir jedoch ganz schnell wieder...

 

 

Der pure Wahnsinn: Shibuja und Rappongi

 

Shibuja Crossing ist die wohl bekannteste Straßenkreuzung der Welt, abgelichtet auf unzähligen Bilder und auch in Filmen. Hier war es wo der großartige Bill Murray der noch unglaublicheren Scarlett Johannson in Lost in Translation good-bye sagte und hier war es nun auch wo wir unseren Kontaktmann in Tokyo treffen sollten: Zeljko! 

Wie man das ja kennt: Ein Freund von einem Freund von einem Freund! Dank facebook entstand vorab schon ein erster freundlicher Kontakt, als Treffpunkt wurde schließlich die Pachinko Statue neben der Shibuja Station auserkoren. Dass sich hier wohl schon Millionen Menschen getroffen haben werden (und Tag für Tag noch immer tun), registrierten wir erst als wir vor dieser kleinen Hündchen-Statue standen: Der nackte Mann ist ein Scheißdreck dagegen! Wir fanden Zeljko trotzdem und er ganz schnell den Weg in unsere Herzen- und Magen, führte er uns doch auf mehr oder weniger direktem Weg in die nächste kleine Sushi Bar, keine 200m von Shibuja Crossing entfert. Draussen machte es plingpling und huphup, eine krasse Welt voller Elektronik und Moderne sowie von Fashion und Pop faszinierten jungen Menschen. Die Sushi Bar war der perfekte Rückzugsort, lecker noch dazu.

War der erste Teil unserer kleinen Shibuja-Sightseeing-Tour noch nahezu entspannt und ruhig, nahm Zeljko nun wirklich richtig Tempo auf. Wir jagten durch das verrückte Don Quixote Kaufhaus, rannten durch den übergroßen U-Bahnhof und fanden uns irgendwie und irgendwann in Roppongi wieder. Roppongi ist der Stadtteil der Ausländer, der Botschaften, des Amusements. Irish Pubs und MacDoof, dazu die obligatorischen Lawsons und Seven Elevens. Überall wollte jemand einem den Flyer zur wirklich und überhaupt besten Party der Stadt aufs Auge drücken. Es war recht penetrant und auf gewisse Art und Weise billig und vulgär - wahrscheinlich nicht viel anders als in Mannheim oder Manchester, auf jeden Fall sehr viel anders als das Japan, das wir vorher so schätzen gelernt hatten. Und doch war hatte es freilich seine guten Seiten, denn wir hatten unseren Spaß. Klar! Ob Salsa oder Karaoke Bar, im Hemingway's oder ganz einfach auf der Straße: In Roppongi wird dir nicht langweilig! 

Was die Abendplanung anbelangt, so muss man bereits kurz vor Mitternacht die weitere wissen was man will, da in Anbetracht der horrenden Taxipreise eigentlich nur zwei Möglichkeiten bleiben, die der letzten oder ersten Bahn! Wir entschieden uns für letzteres, wenigstens wurde die eingesparte Kohle fürs Taxi auf diese Weise sinnvoll für Drinks und Eintrittesgelder ausgegeben. Am nächsten Abend in Shibuja wollten wir gerade dieses nicht und sparten den einen oder anderen yen indem wir eine zusätzliche Überbrückung der Nachtstunden wählten, in Form eines Manga Cafés! Einiges hatten wir zuvor gehört darüber und als wir nun im Eingangsbereich des Cyber Cafés standen, kam uns doch einiges spanisch (japanisch!) vor. Für 12 Euro bekamen wir je eine Kabine zugeteilt, ausgestattet mit Rechner, Schreibtischliegestuhl und etwa 3qm! Die Kleinst-Räume waren oben offen und an Schlaf nur bedingt zu denken. Immerhin konnte man sich an zahlreichen Automaten kostenlos an nicht wirklich lecker schmeckenden Erdbeershakes ergötzen, jugendfreie und -unfreie Manga Comics oder die internationale Presse lesen. Um 8 Uhr war Schicht im Schacht. Mit einem Cappuchino in der Hand zogen wir durch das (nun) menschenleere Shibuja, überbrückten die Zeit bei einem Kick der Marke Not gegen Elend, legten uns penner like auf Parkbänken ab und ließen die gute alte Seele baumeln...

 

Shinjuku, Wolkenkratzer, Neon, die große Welt!

 

Ein absoluter Höhepunkt eines jeden Tokyo Aufenthalts ist der Besuch von Shinjuku. Hier konzentrieren sich die höchsten Wolkenkratzer, alles ist größer, schneller, weiter. Alleine der Bahnhof des Stadtteils zieht einem fast die Schuhe aus: Mit rund 3,5 Millionen Durchreisenden zählt Shinjuku Station zu den meist genutzten Bahnhöfen der Welt. An die 200 verschiedene Ein- und Ausgänge, zig Ebenen und Zuglinien, da fällt einem ein Zurechtfinden zunächst wirklich schwer. Doch Japaner wären nicht Japaner... Einmal kurz einen ratlosen Blick aufgesetzt und schon wird einem aus der Patsche geholfen bzw. wie in unserem Fall der Weg zum Tokyo Metropolitan Government Buildung gewiesen. Vom 47. Stock des Rathauses hatten wir eine fantastische Aussicht auf ein schier grenzenloses Meer von Häusern und Beton. Grünflächen? Nicht der Rede wert! Wenn es also einen Kritikpunkt an dieser tollen Stadt gibt dann unbedingt dieser: Es gibt (fast) keine Parks! Ein Rückzug ins Grüne wird da zum Abenteuer und wahren Suchspiel. Alternativ bietet sich natürlich ein Tempelbesuch an, denn religiös sind die Menschen freilich auch in Tokyo!

In Shinjuku gab es statt Tempel allerdings Prostitution, zumeist in Form von Tokyo Hotel nicht unähnlich sehenden Frisurenkings, mit denen die Mädchen der Großstadt ein wenig Konversation führen bzw. kuscheln können. Wieder eine Überraschung also! Wenigstens fanden wir noch zwei, drei nette Bars und Restaurants. Essenmäßig sei einem jeden Japan-Touristen Shibu-Shibu (eine Art Fondue) sowie das japanische Barbeque ans Herz gelegt. Also, wir fanden es großartig!

 

Akihabara, Manga Capital!

 

Als letzten Stadtteil schauten wir uns schließlich noch Akihabara an, bekannt für seine Elektrogeräte und Manga-Kaufhäuser. Cosplay, also Rollenspieler in Krankenschwester- oder Monsteroutfits, sechsstöckige Kaufhäuser, in denen es nichts gibt außer Manga Comics! Krass und definitiv nicht unsere Welt! Der Wahnsinn, der sich Tokyo nennt, war hier eine Spur zu nervig, so dass wir, siehe oben, einmal mehr den Rückzug in den nächsten Tempel antraten... Die spinnen, die Japaner!

 

 

Tokyo meinte es also gut mit uns und stellte einen würdigen Abschluss einer großartigen Reise dar! Noch ein paar Wochen später bin ich völlig aus dem Häuschen, so schön war es, so freundlich diese Japaner. 

Wer dem teuren Yen auch mal einen Haken schlagen kann (man kann!) , der bekommt für sein Geld einen überaus hohen Gegenwert. Klar, Nachtleben muss man auf ein Minimum runterfahren und auch Restaurantbesuche können richtig ins Geld gehen... Aber dafür ist man mit großartigen und nicht zu vergessenden Momenten gesegnet! Japan muss man einfach gesehen haben. Was wir beide "erfahrenen" Traveller vor Erstaunen den Kopf geschüttelt haben... Offene Mäuler und staunende Blicke!

 

Domo Arigato!!!



Kommentare

Anzeige: 1 - 1 von 1.
   
 

gert aus bruchsal

Freitag, 01-10-10 14:21

alice im wunderland sag ich da nur.

 
   
 

Kommentar schreiben

Ins Gästebuch eintragen



Datenschutzerklärung | Um Missbrauch zu vermeiden, wird bei Einträgen die IP-Adresse gespeichert!

-Anzeige-