Von: Axel Dangerfreak
Ein Kommentar
Fritten, Waffeln und "The Wall"
Ein epischer Dangerfreak Trip nach Brügge und Antwerpen: Roger Waters "The Wall" und jede Menge andere Nettigkeiten!
Belgien, die große Unbekannte! Wenn überhaupt dann ist man da mal durchgefahren, auf dem Weg nach Amsterdam oder England, den bekannteren, scheinbar besseren Destinationen. Belgien, was ist das eigentlich? Ein Land ohne Regierung und ohne nationale Identität. Was einem in den Sinn kommt sind Marc Dutreux und Jean Marie Pfaff, beleuchtete Autobahnen sowie Fritten und Waffeln. Und sonst? Nichts, was einen reizen würde - zumindest dachten wir dies bislang. Ein Wochenende hat gereicht um unsere alte Meinung zu revidieren und jegliche Vorurteile ad absurdum zu führen. Belgien kann was! Es ist schön! Die Leute sind nett, das Essen lecker! Belgien, ich will da wieder hin!
Als Aljoscha alle Mann in seinen altehrwürdigen Daimler gepackt hatte, konnte es los gehen. Wir wählten die Route Annweiler-Luxemburg-Brüssel um nach Brügge zu gelangen. Die Landschaft war zumeist recht unspektakulär, das einzge, was man hin und wieder zu sehen bekam, waren Kühe, diese jedoch in den verschiedensten Ausführungen. Was dann kam war der Stau auf dem Brüsseler Ring! Wir wollten es nicht wahr haben. Stop and go statt drink and smoke, so hatten wir uns das ganze nun mal überhaupt nicht vorgestellt. Doch die Musik war bestens (gefühlte 82mal Comfortably Numb von Pink Floyd, das beste Gitarrensolo aller Zeiten und die perfekte Einstimmung auf das große Konzert am Samstagabend in Antwerpen) und die Truppe sowieso. Langweile war also ein Ding der Unmöglichkeit und die Stimmung war nur zu gut als wir am frühen Abend in die Altstadt von Brügge einfuhren. Unsere erste belgische Stadt! Was für eine Perle!!!
Untergebracht waren wir im Snuffel Backpackers, 10er Schlafsaal, nett aber spartanisch, Bier statt Schampus. Apropos Bier: Das belgische Nationalgetränk kann man in unzähligen Kneipen und Bars und in allen möglichen Varianten kosten. Und es ist nicht jedermanns Sache um es mal freundlich auszudrücken. Mir schmeckte es dagegen gar vorzüglich. Im Gegensatz zu den Kopfschmerzen, die man nach dem Genuss belgischen Biers am nächsten Tag quasi als Draufgabe "für umme" dazubekommt. Vielleicht lag es aber auch an den Fritten, die wir beim wohl einzigen unfreundlichen Menschen des Landes (Luc ist aber auch kein Name für einen Mann) zu uns nahmen, vielleicht an der krass-schlechten Musik, die uns in den Discobars rund um den Eiermarkt sprichwörtlich um die Ohren gehauen wurde. In Antwerpen meinte man tagsdrauf nur: "Tja, ihr ward ja auch in Brügge!"
Doch Brügge hat sich trotz schlechter Fritten und noch schlechterem Nachtleben ganz tief in unsere Herzen gebrannt. Was vielleicht daran liegen mag, dass es schlicht und einfach eine großartige und wunderschöne Stadt ist. Wir sind am Morgen mit großen Erwartungen losgezogen - und wurden in keinster Weise enttäuscht. Wo in Gottes Namen gibt es etwas Vergleichbares, Romantisches, Mittelalterliches? Wir waren nicht die einzigen, die mit offenen Mäulern durch die Gassen der Altstadt zogen. Nein, es wimmelte hier einfach nur an Touristen - und wir machten das volle Programm nur zu gerne mit. Also hoch auf den Belfried, DAS Wahrzeichen der Stadt und zentraler Ort in unserem Lieblingsfilm "Brügge sehen und sterben". Als nächstes sind wir mit dem Boot durch die Kanäle geschippert, haben die berühmte Liebfrauenkirche besucht, Schokolade probiert und Bier getrunken. Der ganz normale Touristenwahnsinn eben!
Nach so viel Kultur und Sightseeing war unsere lustige Reisetruppe zwar vielleicht noch nicht reif für die Insel aber zumindest für Blankenberge sollte es reichen, einem unweit von Brügge gelegenen Seebad. Die Sehnsucht nach Strand und Meer, einer frischer Brise und jeder Menge Sand war so groß, dass andere Dinge (Hochhäuser, Ramschläden, Spielhallen) indenHintergund rückten bzw. ganz einfach ausgeblendet wurden. Immerhin fanden wir eine überaus nette Pizzeria (und Bedienung). Es schmeckte super. Wir waren wieder bei Kräften und gestärkt für den eigentlichen Grund der Reise...
Roger Waters "The Wall", live in concert!
Das wohl bekannteste Konzeptalbum der Rockgeschichte noch einmal live und im Rahmen heutiger technischer Möglichkeiten aufzuführen, war seit Jahren der große Traum des Pink Floyd Bassisten. Klar, es werden auch finanzielle Erwägungen dahinter gesteckt haben, The Wall nach über zwanzig Jahren noch einmal aufzubauen. Beim letzten Mal war ich live dabei (21. Juli 1990, Berlin Potsdamer Platz). Auch wenn es damals schon gigantisch und mit über 300.000 Zuschauern eines der meist besuchten Konzerte aller Zeiten war, so war es dieses Mal in Antwerpen doch nochmal eine Spur besser, größer, schneller, weiter!
Herzstück der Show ist eine 73 Meter breite und knapp 11 Meter hohe Mauer, die in der ersten Konzerthälfte errichtet und gegen Ende der Aufführung zerstört wird. In Kollaboration mit dem ursprünglichen Karikaturisten und Bühnenbildner Gerald Scarfe hat Roger Waters neue graphische Elemente, Videos, Projektionen und Animationen zur Illustration der Musik kreiert, um "The Wall" so aktuell und atemberaubend wie vor dreissig Jahren zu präsentieren. Natürlich durften weder das abstürzende Kampfflugzeug noch die gigantischen, aufblasbaren Puppen fehlen. Sogar ein frei umherfliegendes Riesenschwein gab es zu bestaunen. Wie überhaupt alles kaum in Worte zu fassen war. Der Sound astrein und nicht zu toppen, die Projektionen zu schön um wahr zu sein. Die rund 20.000 Zuschauer im weiten Rund des Antwerpen Spoorts Palais waren völlig aus dem Häuschen und huldigten noch lange Roger Waters und sein großes Rockspektakel!
Irgendwann verließen wir dann doch noch die Halle um gegenüber die vielleicht besten Fritten aller Zeiten zu verdrücken. Nicht gewusst? Belgien hat so einiges zu bieten... Auch Antwerpen machte einen super Eindruck. In der netten Bar Chat le Roi ließen wir den Abend in aller Ruhe ausklingen. Mehr ging jetzt einfach auch nicht mehr!
Der nächste Morgen ging gut weiter, denn Mia, unsere rührige Gastmutter (sehr zu empfehlen: Bed and Breakfast Blue House) hatte einen Frühstückstisch kredenzt wie ich ihn nur selten gesehen habe. Gerne wären wir geblieben. In Belgien! Das muss man sich mal vorstellen!!! Aber es ging ja nicht anders. Und so schauten wir uns noch kurz das schmucke Antwerpen an, aßen Waffeln und kauften Antiquitäten bzw. Platten auf einem der vielen Trödelmärkte der Stadt. In Brüssel stoppte uns später ein Marathon, in Luxemburg Kühe und im Saarland die Polizei.
Ein wahrlich großer Trip! Belgien, du hast es uns angetan - wir kommen wieder!
Kommentare
Rene
Dienstag, 31-05-11 22:07
"Haben Sie Drogen dabei?"
"Nein."
"Wo kommen Sie denn her?"
"Vom Pink Floyd-Konzert."
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